Gitarre stimmen
von Stefan Buschhausen

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Vorab:
Auf der Gitarre begegnen sich das Prinzip der reinen Stimmung (Intervalle zwischen den Saiten) und das Prinzip der
temperierten Stimmung (IV. Bund auf der 1. bzw. 6. Saite kann gis oder as sein, wie die entsprechende Taste auf dem Klavier)

Stimmen wir eine Gitarre so, dass die 3. Saite innerhalb eines C-Dur Akkords perfekt stimmt, werden wir feststellen,
dass das gis (also 3. Saite, I. Bund) innerhalb eines E-Dur Akkords zu tief ist. Wir können das durch festeres Greifen kompensieren.

Vergleichstöne

Wer ein Klavier oder Keyboard daheim stehen hat, kann die Gitarre nach diesen Instrumenten stimmen, sonst muss eine Stimmgabel her.
Es gibt Stimmgabeln, die auf  329,6 Hz gestimmt sind und uns somit direkt den Ton der 1. Saite angeben.

Ich gebe im Folgenden mal die Töne der Leersaiten als MP3 files an,
mangels Mikrofon mit Hilfe der Real Sound Engine von GP5 ;-)
Jeder Ton erklingt 5 x, einfach abbrechen wenn´s passt.
1 = e´     2 = bh*     3 = g     4 = d     5 = A     6 = E   (* b: Englisch, h: Deutsch
                                                                        
Stimmen für Anfänger
Diagramm: einfaches Stimmen der Gitarre

Ich erkläre nun den Stimmvorgang für Takt 1 genau: wir schlagen die 6. Saite (hier nochmal der Vergleichston) im V. Bund
an und merken uns diesen Ton, nun schlagen wir die 5. Saite leer, also ungegriffen an, vergleichen den erklingenden Ton
mit dem Ton, den wir hoffentlich gut im Gehirn gespeichert haben und verstellen den Wirbel der 5. Saite bis 6. Saite V. Bund
und 5. Saite leer auf der gleichen Tonhöhe sind. Bitte vor dem Verstellen des Wirbels die 5. Saite erst anschlagen, damit
du hörst, wie sich die Tonhöhe beim Drehen ändert. Bist du dir nicht sicher ob die 5. Saite nun zu hoch oder zu tief ist,
lockere sie einfach, sodass sie auf jeden Fall zu tief ist und stimm dann  "von unten" in die richtige Tonhöhe (6./V.) hinein.
Im Laufe der Zeit lernst du es, den korrekten Vergleichston so gut zu speichern, dass dich die zunächst noch falsche
Tonhöhe der 5. Saite nicht mehr irritiert. Geht nicht von heut auf morgen aber Übung macht den Meister.

Die anderen Saiten werden genauso gestimmt, nur dass wir die 3. Saite im IV. Bund greifen müssen
um den Vergleichston für die 2. Saite zu bekommen.


Downloads: MP3  (Es erklingt 2x als ganze Note die 6. (E) Saite, danach die Töne in der Grafik.)  ~  PDF  

Auf der Internetseite von Ulrich Meyer:  "Gitarre, Kapitel Stimmen" lesen wir u.a.:

Die "5./4. Bund - Methode" ist aus mehreren Gründen nicht ganz unproblematisch:
  • Da Sie jede Saite von der vorhergehenden aus stimmen, kann es passieren, dass sich Fehler addieren. Deshalb sind die Vergleichstests so wichtig!
  • Wenn Sie beim Greifen nicht sehr darauf achten, die Töne nicht zu verziehen, werden die Saiten zu hoch.
  • Saiten, die unsauber schwingen, führen zu falschen Ergebnissen, da im fünften Bund der Fehler schon erheblich sein kann.
Interessant ist auch die Magisterarbeit von Robert Koch, Universität für Musik und darstellende Kunst Graz,  Seite 52 des PDF Files !

Stimmen nach Flageolett Tönen

Diagramm: Stimmen mit Flageolett Tönen

Downloads: MP3   ~   PDF

Stimmen nach Oktaven
Diagramm: Gitarre stimmen mit Oktav Vergleichen

Die e´ Saite stimme ich mit einer Gitarren-Stimmgabel, dann gehts weiter, z.B. in der oben angegebenen Reihenfolge.
Will man ein Stück in E-Dur spielen, sollte man sich natürlich die Oktaven fis, cis, gis und dis vornehmen.

Downloads: MP3   ~  PDF

Es ist immer so eine Sache mit dem Term der-die-das beste... Wie auch immer, ich favorisiere das Stimmen nach Oktaven.


Wichtig: Endkontrolle nicht vergessen !

Egal mit welchen Methoden wir stimmen: als Krönung des Stimmens müssen wir noch nach-intonieren. Akkorde in allen
möglichenlagen langsam arpeggieren und hören (lernen) ob es gut klinkt. Bei einem Auftritt/Konzert/Tonaufnahme natürlich die Akkorde checken,
die gebraucht werden.
Das geht nicht von heute auf morgen stellt aber sicher,
dass die Gitarre wirklich sauber klingt.

Prof. Robert Brojer (Konservatorium der Stadt Wien) schreibt in seinem
Buch "Der Weg zur Gitarre":
Meistens klingt die g-Saite etwas zu hoch. Der Grund hierfür liegt in einer durch Obertöne
hervorgerufenen, gehörmäßigen Täuschung.

Anmerkung von mir: vielleicht ist das der Grund dafür, dass es Stege gibt, bei denen die Kerbe
für die 3. Saite ein Bisschen nach rechts versetzt ist.


Tuning mit Stimmgeräten

Ich würde in jedem Fall ein chromatisches Stimmgerät nehmen, das klappt dann auch wenn ein Capodaster aufgesetzt ist.
Stimmgeräte sind beim Einschalten auf a´ = 440 Hz kalibriert, lassen sich aber meist auch auf eine andere Hz Zahl umstellen.
Vergesst nicht nachzuschaun, ob der vom Stimmgerät angezeigt Tonname korrekt ist ;-) Sonst könnt ihr euch ganz schön "verirren" 
Verlernt aber bitte das Stimmen nach Gehör nicht total, spätestens beim Aufziehen neuer Saiten oder wenn mal die Batterie den
Geist aufgibt ist das recht praktisch :-)
Es gibt viele Stimmgeräte mit integriertem Metronom. Das Ibanez MU40 hat
(soweit mir bekannt ist als einziger Tuner) obendrein eine TAP Funktion.
Mit dieser TAP Funktion könnt ihr schnell feststellen,
 wieviel BPM ein Song hat oder fix mal die Anschlagsleistung eurer rechten Hand stoppen.
 
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